Götter und Herolde Orion – epische Fantasy Charaktere mit Kriegern, Gottheiten und düsterer Atmosphäre



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I Orion: Das Eichental

Einst lebten wir in Harmonie mit den Göttern. Sie erklärten uns die Welt und ihre Sitten prägten den Alltag.
Doch es liegt in unserer Natur, mehr zu wollen; auf jede Antwort folgen zwei Fragen, und irgendwann schenkten unsere Vorfahren ihr Vertrauen anderen Götzen. Die Menschen wurden sich fremd und strebten in ihrer Gier nach der Macht der Unsterblichen. Zeus, Oberster der Olympier, ertrug den Hochmut seiner Schöpfung nicht mehr, und wütend vor Zorn warf er sieben Tage und Nächte Blitz und Donner auf die Städte aus Stein. In der siebten Nacht vernahm seine liebste Tochter Athene unser Leid und bat in ihrer Weisheit um Gnade.
Kurz vor unserer Auslöschung hielt Zeus inne und gewährte uns eine letzte Chance, ein demütiges Leben zu führen. Hungrig und krank verließen wir die Ruinen und bauten uns eine neue Existenz in den Wäldern auf, und so danken wir den Göttern für ihre Nachsicht!

Die Sonne geht auf, und erste Strahlen tauchen das Eichental in sanftes Licht. An diesem friedlichen Ort liegt ein Bauernhof, der seit vielen Generationen im Besitz von Orions Familie ist.
Einst hatte der Vater seines Vaters Großvater hier nur eine Bretterbude stehen; nicht mehr.
Doch durch Fleiß und harte Arbeit wuchs der Hof zu seiner heutigen Pracht. Ein Stall für die Tiere, der Werkzeugschuppen mit einem einfachen Altar, ein Feld zum Getreideanbau und das Haupthaus mit genug Schlafplätzen für Orions Familie, die seines Bruders und den Großvater.
All das beschützen vierundzwanzig kräftige Eichen, denn selten trauen sich Tiere aus dem umliegenden Wald hinter diese natürliche Grenze.
Orion hat nie nachgezählt, ob es wirklich vierundzwanzig sind, denn zählen kann er nicht gut. Schreiben erst recht nicht. Dafür aber Getreide säen, ernten und Tiere pflegen.
Keiner der umliegenden Bauern ist so gut in der Landarbeit wie Orion. Es liegt ihm im Blut, und irgendwann wird sein Sohn all das erben.
Und so es die Götter wollen, werden seine Kinder und Kindeskinder hier leben, friedlich sterben und unter einer Eiche begraben.

Obwohl der Morgen erst graut, steht Orion bereits seit Stunden auf dem Feld und holt die Ernte ein.
Er ist weder groß noch klein, nicht dünn und auch nicht dick. Er ist ein ganz normaler Bauer mit kurzen braunen Haaren, die er mit einer Lederkappe bedeckt; seine dunkelblauen Augen folgen jedem Schwung der Sichel und sehen, wie die Ähren unter ihr fallen.
Seine Nase ist nach einer Prügelei in jungen Jahren mit seinem Bruder krumm, wahrscheinlich war sie gebrochen, und so zeigt sie immer leicht nach links.
Mit der schwieligen Hand wischt er den Schweiß aus dem Gesicht. Den Bart hat er frisch rasiert, genau so, wie es seine Frau mag.

Die aufgehende Sonne lässt ihn kurz innehalten. Es ist ein wunderbarer Morgen, den ihm die Götter schenken. In den Legenden fährt Helios mit einem Gespann aus vier Hengsten am Himmel entlang und zieht die Sonne hinter sich her, und noch nie hat Orion daran gezweifelt.
Denn er ist ein gläubiger Mann.
Titanen formten die Welt, Götter schlugen sie nieder, Zeus erschuf den Menschen; all das weiß er aus den Geschichten seines Großvaters. Und wenn er ein Anliegen hat, betet er zu den Unsterblichen.
Einmal hielt eine Dürre über Wochen an, und die Ernte drohte auszufallen, aber wenige Tage, nachdem Orion Zeus eine Opfergabe dargeboten hatte, fiel der lang ersehnte Regen.
Oder als eines der Schafe krank war oder seine Frau in den Wehen lag; jedes Mal bat er um ihren Beistand, und sie schienen ihn zu erhören.
Er blickt zu Illias, seinem Sohn, seinem ganzen Stolz, und sieht, wie er die Ähren zusammenbindet. Daneben Helen, seine Frau, die das verschnürte Getreide auf den Ochsenkarren hievt.
Aufgewirbeltes Laub reißt ihn aus seiner Trance. Bald würde der Herbst enden und der unnachgiebige Winter einziehen. Bis dahin muss das Feld geerntet sein und die Ladung nach Paragon gefahren werden.
So schwingt er wieder die Sense, hin und her. Philo steht daneben und tut es ihm gleich; wie immer pfeift er das alte Kinderlied. Der Rhythmus hilft ihnen, im Takt zu bleiben. Hin und her und hin und her.
Als die Sonne am höchsten steht, ist die Arbeit beendet und der Karren bis oben hin beladen. Orion klopft sich Staub und Dreck aus den Leinenkleidern, dem braunen Hemd und der schwarzen Leinenhose.
Eigentlich könnte er sich jetzt in seinen Sessel setzen und heimlich einen Schluck von dem Schwarzgebrannten gönnen, aber das Wichtigste steht noch bevor. Mit Philo und Illias verabschiedet er sich von den Frauen, umarmt sie fest und tauscht Küsse mit seinem Eheweib aus.
Sie begeben sich zu dem Schuppen, tauschen Sicheln gegen Heugabel, Axt und Bogen und gehen am Stall vorbei zum westlichen Teil des Waldes.
Der Lärm der Schafe, Schweine und Hühner ist unerträglich, und auf der Veranda sitzt Großvater, der griesgrämig das Treiben der Tiere überwacht.
Zum Abschied hebt Orion beiläufig die Hand. Der alte Mann spuckt aus und massiert stur sein steifes Bein weiter.

Vorbei an zwei mächtigen Eichen, die hoch und stumm dastehen. Die knorrigen Wurzeln fest im Boden verankert und die kahlen Äste im Wind tanzend. Fast wirkt es, als würden diese Wächter sie zurückwinken wollen. „Bleibt auf dem Hof“, scheinen sie zu flüstern.
Zum Jagen und Pilzesammeln trauen sie sich gelegentlich in den Wald, aber nie gehen sie allzu tief hinein. Orion kniet sich hin, stützt sich auf die Heugabel und betrachtet Kratzspuren auf dem Boden, die beinahe so groß sind wie seine Hand.
„Sind wohl hier entlang“, murmelt Orion. Mehr zu sich selbst als zu den anderen. „Die Spur führt tiefer in den Wald.“
Sein Bruder stellt sich daneben und betrachtet ebenfalls die Spuren. Er ist einen Kopf größer als Orion, hat schwarzes, schulterlanges Haar, das er offen trägt, und einen dicken, buschigen Bart. „Müssen ziemlich hungrig sein, wenn sie sich bis an den Hof trauen“, brummt er und packt seine Axt fester.
Orion nickt beiläufig und übernimmt die Führung. Sie folgen den Spuren aus Kratzern und Blut. Je tiefer sie dem Pfad folgen, desto höher wird das Laub, bis es ihnen an die Knie reicht. Durch das dichte Geflecht aus Ästen dringt kaum Licht, und beinahe müssen sie die Suche aufgeben, weil sie keine Spuren mehr finden.
Illias’ scharfe Augen erkennen in dem schwachen Licht Markierungen, die tief unter die harte Rinde gehen.
„So stecken sie ihr Revier ab“, erklärt Orion. „Es muss hier in der Nähe sein.“
Philo pfeift das alte Kinderlied. Das macht er immer, wenn er nervös ist. Tatsächlich finden sie bald auf einer kleinen Lichtung eine Felsspalte, die unter die Erde zu führen scheint.
Hinter einem Busch kauern die drei zusammen, und Philo geht mit ihnen das weitere Vorgehen durch: „Illias, wir machen es wie besprochen. Dein Vater lenkt sie ab, hält sie mit der Heugabel auf Abstand, und du schießt mit deinem Bogen aus dem Hinterhalt auf die empfindliche Stelle! Wenn etwas schiefgeht …“ Er schwingt die rostige Axt durch die Luft. „… komme ich ins Spiel!“
Der Junge rollt mit den Augen. Er ist fünfzehn Jahre alt, hat die langen braunen Haare zu einem Zopf gebunden und sieht seinem Vater zum Verwechseln ähnlich. Nur die hellblauen Augen hat er von seiner Mutter. Drei Jahre noch, und er ist ein Mann und genießt somit alle Rechte und Pflichten auf dem Hof und in Paragon.
„Ich bin kein kleines Kind mehr, Onkel“, sagt der Jüngling. „Keiner von euch ist mit dem Bogen so treffsicher wie ich! Erinnerst du dich an die zwei Kaninchen, die ich letzte Woche geschossen habe? Aus dreißig Metern. Ein sauberer Schuss ins Herz!“
Seine Brust schwillt vor Stolz an, doch Philo schüttelt energisch den Kopf. „Nicht auf das Herz! Rippen und Muskeln sind zu dick, du wirst mit deinem Pfeil nicht durchkommen.“ Er tippt dem Jungen mit seinem Zeigefinger gegen den Kopf. „Ein Pfeil ins Gehirn, und alle Kraft nutzt dem Tierchen nichts mehr.“
Philo zerzaust dem Jungen die ordentlich gebundenen Haare, und mühsam schafft es Illias, sich aus dem neckischen Griff zu befreien.
„Wenn selbst dein alter Großvater es schafft, ein Rudel durch Fluchen und Spucken zu vertreiben, sollte es für uns drei doch ein Leichtes sein, sie zu erlegen“, sagt Philo und lacht herzhaft auf.
Wütend blickt Illias zu seinem Onkel, und während er sich die Haare wieder zusammenbindet, öffnet er den Mund, um ihn zurechtzuweisen.
„Ruhe jetzt“, zischt Orion, „sonst hören sie uns!“ Sie können es sich nicht erlauben, leichtsinnig zu werden, denn dann macht man Fehler. Und durch Fehler sterben Menschen. „Ich spreche ein letztes Gebet.“
Er schließt die Augen und faltet die Hände; Illias und Philo tun es ihm gleich.
„Artemis, Göttin der Jagd und Tochter des Zeus. Gewähre uns deinen Segen und gib uns Kraft. Nicht aus Gier jagen wir deine Geschöpfe, sondern aus eigenem Schutz. Deswegen wende deinen Bogen von uns ab und nimm nach sicherer Heimkehr unsere Opfergaben an!“
Nach einem Moment des Schweigens regt Philo sich als Erster: „Lasst es uns zu Ende bringen, ich will zurück nach Hause zu Scylla und Bella!“
Orion nickt zögerlich, und während er sich zur Felsspalte begibt, greift er die Heugabel fester. Es beruhigt ihn, Philo an seiner Seite zu wissen. Er ist zwar ein wenig einfältig, doch seine Größe und Kraft sind im Kampf ein Vorteil.
Illias dagegen bereitet ihm Sorge. Er ist zu jung. Zu unerfahren. Er hat noch nicht die Härte, um das Nötige zu tun.
Ein letztes Mal schaut er zurück. Illias hat einen Pfeil aufgelegt und verfolgt wachsam jeden Schritt seines Vaters, und auch Philo wirkt zu allem bereit.

Schritt für Schritt pirscht Orion an den Eingang der Höhle. Angstschweiß tropft ihm die Stirn hinunter, und sein Herz pocht so laut, dass er fürchtet, das ganze Rudel anzulocken.
Im Schatten der Felsspalte kann er einen Haufen hellfarbenes Fell ausmachen. Die Haare kurz und borstig; zwei braune Kulleraugen verfolgen bereits jede seiner Bewegungen.
Als er keine Anstalten macht, abzudrehen, begrüßt ihn kehliges Knurren. Zähne, so groß wie Finger, blitzen auf. Bereit, sich in den Eindringling zu schlagen. Jeder Muskel der Bestie spannt sich an, das schwarze Gesicht verzieht sich zu einer verdrehten Fratze, und die kurze Rute wackelt bedrohlich. Voll aufgerichtet reichen ihm die Schultern des Hundes bis zum Nabel.
Orion stößt beherzt die Heugabel in Richtung des hässlichen Kopfes. Will ihn weiter auf Distanz halten, doch seine Angriffe scheinen das Biest nur rasender zu machen. Als er einem weiteren wilden Biss ausweichen will, fällt er fast über die eigenen Füße.
Er kann sich gerade an der Felswand abstützen und die Heugabel tief in die Schulter des Tieres stoßen. Vor Schmerz heult der Hund auf, befreit sich, und bedrohlich tropft der Geifer den krumm und schief gewachsenen Kiefer herunter.
Im Wahn macht der Hund einen Satz auf Orion.
Er weicht zurück und spürt die Felswand im Rücken. Jetzt muss doch der rettende Pfeil kommen!
Schweiß brennt ihm im Auge. Trübt ihm die Sicht, und hastig versucht er, einen weiteren Treffer zu landen. Sein Herz pocht so schnell wie noch nie in seinem Leben.
Der Hund stellt sich auf die Hinterbeine, drückt Orion gegen die Wand, und Dutzende scharfe Zähne schnappen nach ihm.
Plumpe Schritte. Schnaufen. Philo stürmt aus seiner Deckung hervor. Das Gesicht rot angelaufen, hebt er die Axt und treibt sie mit einem markerschütternden Krachen in die Seite des Tieres.
Rippen brechen, und Blut spritzt durch die Luft, als der Hund mit unglaublicher Wucht gegen die Felswand trifft. Jaulend bleibt er auf dem Boden liegen.
„’Tschuldigung, bin etwas spät“, sagt Philo schwer atmend. Er stellt sich vor das windende Tier, hebt die Axt und beendet sein Leid mit einem letzten Hieb. Mit dem Ärmel wischt er sich Schweiß und Blut von der Stirn und blickt zu Orion hinunter, der auf den Boden gesackt ist.

„Alles in Ordnung? Ich wollte, dass es der Kleine macht, aber er stand wie angewurzelt da.“
Orion tastet zitternd seinen Körper ab. Arme, Beine, Oberkörper; alles scheint noch dran und unversehrt zu sein.
„Er ist nicht bereit“, sagt Philo und blickt missmutig zu den Bäumen, hinter denen Illias kreidebleich hervorkommt.
Langsam nähert sich der Junge dem Kadaver, die Augen vor Angst weit geöffnet. Orion rappelt sich auf und nimmt seinen Sohn tröstend in den Arm.
„Ich hatte den Pfeil gespannt“, stammelt er, „aber dich im Todeskampf zu sehen … ich konnte nicht … loslassen!“
„Alles gut, mir ist nichts passiert!“ Der Junge scheint sich zu beruhigen, und Orion schaut ihm tief in die hellblauen Augen. „In solchen Situationen müssen wir uns aufeinander verlassen können! Solche Tiere, diese Züchtungen, sind stark und wild. Aber wenn wir gemeinsam vorgehen, können wir sie überwältigen.“ Orion tippt Illias mit dem Finger gegen die Stirn. „Mit Köpfchen schlagen wir unsere Gegner“, dann klopft er mit seiner Faust gegen sein Herz, „aber wir brauchen auch Mut, um es anzugehen!“
„Es tut mir leid. Ich werde euch nicht mehr zur Last fallen, aber Kaninchen sind etwas ganz anderes als so etwas.“
Mit seiner Hand packt er seinen Sohn an der Schulter. „Ich wollte dich nicht mitnehmen, aber bis Paragon einen Jagdtrupp aufstellt, haben wir sämtliches Vieh verloren, und sonst kann uns keiner auf dem Hof helfen.“
„Halt dich lieber im Hintergrund“, brummt Philo, der den Kadaver genauer untersucht. „Laut Großvater sind es drei Tiere. Das hier ist ein Weibchen, also warten noch mindestens zwei auf uns. Davon ein Männchen, und beide haben genug Kraft im Kiefer, um einem ausgewachsenen Mann den Arm auszureißen.“ Der bärtige Riese macht sich zum Eingang auf, dreht sich aber noch einmal um. „Denk nicht darüber nach, was passieren könnte, sondern lass einfach los!“
Pfeifend geht er in die dunkle Höhle, und Vater und Sohn schauen sich gegenseitig an.
Illias atmet erleichtert aus und sagt: „Mama sagt immer, er ist zur Hälfte ein Riese und deswegen so einfältig.“
Verlegen kratzt sich Orion am Kopf, und während sie Philo in die Höhle folgen, antwortet er: „Das würde vieles erklären …“

Der Schein von Philos Fackel vertreibt die Finsternis, und bedrohlich tanzen Schatten an den Wänden. Ein schmaler Pfad offenbart sich ihnen, der tiefer in die Höhle führt. Auf der einen Seite gähnender Abgrund, auf der anderen unnachgiebiger Felsen.
Orion muss sich zwingen, zu atmen. Der faulige Geruch verwesenden Fleisches liegt in der Luft, und auf dem Boden und in den Ecken liegen einige sauber abgekaute Knochen.
Mit gezückter Heugabel will Orion den Weg als Erster überqueren, doch Philo zieht ihn zurück.
„Lass mich zuerst. Der Pfad ist zu schmal, und gegen einen einzelnen Gegner komme ich am besten an.“
Sichtlich erleichtert lässt Orion seinen Bruder die Führung übernehmen.
Vorsichtig drückt sich der Riese an die Wand. Leise und bedacht setzt er einen Fuß vor den anderen, bis er abrupt anhält und Orion beinahe in ihn hineinrauscht.
„Was ist los?“, fragt er, doch Philo hebt die Axt, bereit zum Angriff.
Tiefes, kehliges Knurren ertönt, und Orion erblickt über die Schulter ein braunes Paar Augen aufblitzen.
Aufgeregt zieht Illias von hinten an Orions Ärmel und fragt, was gerade vor sich geht. Da führt Philo unter lautem Brüllen einen Schritt nach vorne aus.
„Pass auf!“, ruft Orion, als der Hund getroffen aufheult. Plötzlich wird der Riese zurückgeworfen; das Biest hat sich aufgestellt und ihn angesprungen.
Auf dem schmalen Grat kämpfend, wirbeln Fackel und Axt wild herum.
Philo versucht, sich aus der Umklammerung zu befreien, und mit einem beherzten Stoß schafft er es, den massigen Körper von sich zu schieben.
Zähnefletschend steht der Hund erneut auf, die Wunde am Rücken blutet stark, und Schaum trieft ihm vom Maul herunter.
„Komm her!“, brüllt Philo, dass die Höhle erbebt, und mit einem Sprung stürzt sich der Hund erneut auf ihn.
Blitzend saust die Axt durch die Luft, trifft ihr Ziel, und mit aller Kraft stellt er sich dem wilden Angriff entgegen. Sein Fuß sucht hinter ihm nach Halt, kommt zu nah an die Kante, fängt sich aber wieder.
Kiesel stürzen in den Abgrund, und Orion stemmt sich gegen seinen Bruder, um ihm zu helfen.
Erneut schlägt Philo die Axt in den Hund. Im Todeskampf schafft er es, die beiden Männer nach hinten zu schieben. Orion verliert das Gleichgewicht, aber Illias hält ihn fest.
Philo lässt erschrocken die Fackel fallen und rutscht, den Hund umklammernd, in die Tiefe.

Dumpf donnern schwere Leiber den Abhang hinunter. Rollen tiefer, bis nichts mehr zu hören ist.
Fluchend schnappt sich Orion die Fackel und leuchtet in die Dunkelheit.
„Philo!“, ruft Illias, aber ihm antwortet nur die Stille.
„Scheiße, Scheiße, Scheiße“, murmelt Orion und geht die Kante auf und ab. „Es hilft nichts. Wir müssen dem Weg folgen und hoffen, dass wir ihn da unten treffen.“
Nervös schluckt Illias. „Du kannst dich auf mich verlassen. Ich … werde kämpfen!“
Orion nimmt seinen Sohn an der Schulter, leuchtet ihm mit der Fackel ins Gesicht und sagt mit ernster Stimme: „Ich brauche dich jetzt! Alleine werde ich es nicht schaffen, Philo zu retten. Sollten wir ohne ihn nach Hause kommen, bringt Scylla mich um.“
Zögerlich nickt Illias und legt einen Pfeil auf.