Mauschel
„Das war knapp“,
keucht Brüderchen außer Atem.
„Jetzt sind wir im Treppenhaus,
aber wie sollen wir all die Stufen erklimmen?
Das schaffen wir nie rechtzeitig
bis zur Bescherung.“
Krachend fällt die Haustür ins Schloss,
und der nächste Mensch
kommt ihnen entgegen.
„Halt dich an den Schnürsenkel fest“,
ruft das Mäusemädel.
Sie springen.
An die im Vorbeigehen schwingenden
Bänder klammernd,
steigen sie Stufe für Stufe aufwärts.
Sie schaukeln hin und her,
erklimmen eine Etage und kommen
dem heimischen Dachspeicher immer näher.
Vor Freude quiekt Brüderchen,
und selbst Efi lässt für einen Moment die Vorsicht fallen.
Zweites Stockwerk.
Kurz vor ihrem Ziel biegt der Mensch in eine Wohnung.
„Hier springen wir ab“, sagt Efi.
„Es ist nicht mehr weit.
Aber bleib bei mir.
Auch hier ist es gefährlich.“
„Hallo ihr zwei“,
ruft es aus einer Ecke.
Papamaus stürmt ihnen entgegen.
Er nimmt seine Kinder in die Arme
und drückt sie fest an die Mäusebrust.
„Ich hab mir solche Sorgen gemacht.
Ich bin so froh, dass es euch gut geht.“
Doch etwas Flauschiges und
Schwarzes huscht vom Schrank zur Kommode.
Mit einem Miau stürzt eine Katze
auf die Mäusefamilie.
Efi und Brüderchen werden zur Seite gestoßen.
Sie sehen mit an,
wie pelzige Tatzen mit Papamaus spielen.
Efi eilt herbei und stellt sich mutig
vor die wimmernde Maus:
„Lass ihn in Ruhe.
Du tust ihm ja weh!“
„Ich heiße Mauschel und fresse
Mäuse für mein Leben gern.
Du bist klein und solltest lieber weglaufen,
sonst bist du mein nächster Gang“,
miaut sie und widmet sich erneut ihrer Beute.
„Ich bin nicht klein,“ antwortet Efi.
„Ich bin genauso groß wie eine Maus
sein muss und sogar noch etwas mehr.
Aber wenn du nicht von uns ablässt,
werde ich dir wehtun.“
Die Katze beachtet Efi nicht weiter.
Sie ist zu vertieft im Spiel.
Da zückt Efi ihre Nähnadel und
sticht mit aller Mäusekraft
in den zuckenden Schwanz.
Fauchend springt Mauschel auf.
Angriffslustig leckt sie über die Zähne und
fixiert das Mädel mit Schlitzen
aus gelben Augen.
„Es ist nur logisch, dass ich euch fresse.
So ist die Natur nun mal.“
„Ich bin vielleicht nur eine Maus.
Aber wenn es um meine Familie geht,
kämpfe ich wie ein Löwe!
Deswegen lass die Pranken von meinem Papa,
damit wir Weihnachten zusammen feiern können.“
Fauchend fährt Mauschel
die spitzen Krallen aus.
„Es ist das Fest der Liebe, da hast du recht.
Aber was kriege ich dafür,
wenn ich euch laufen lasse?
Immerhin entgeht mir ein Festmahl aus
drei Gängen.“
Efi denkt angestrengt nach.
Wie kann sie dieses Monster besänftigen?
Da fällt Efi etwas auf.
„Was ist denn mit deinem Zahn passiert?“
„Der ist mir abgebrochen,
und immer wenn ich in den Spiegel schaue,
macht es mich traurig.“
„Mach den Mund auf. Ich hab eine Idee!“
Efi steckt den weißen,
matten Stein aus ihrem Rucksack in die Lücke.
Er passt perfekt.
Glücklich leckt Mauschel über den neuen Zahn.
Die Katze schnurrt leise: „Danke.“
Sie lässt die Mäuserichs zurück
und trottet davon.
Papamaus umarmt seine Kinder,
aber Efi ist den Tränen nahe.
„Ich hab kein Geschenk mehr!
Was ist das für ein Weihnachten,
wenn ich nichts für euch habe?“
„Viel wichtiger ist,
dass keinem etwas passiert ist,“
antwortet Papamaus.
„Schließlich seid ihr die größten Geschenke,
die Mäuseeltern haben können.“
So feiern die Mäuserichs das Weihnachtsfest.
Sie essen Mäusespeck und spielen Maus ärgere dich nicht.
Dieses Jahr das vielleicht beste Weihnachten
mit dem wichtigsten aller Geschenke:
Dem gesunden Beisammensein.
Ende
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