Efi das Mäusemädel II: Küchenärger
Wütend pickt die Krähe von draußen gegen die Tür und Brüderchen bricht in Tränen aus.
„Ich hab Hunger und mir ist kalt. Wir kommen niemals wieder in unser Nest.“
„Hör auf zu weinen. Es ist schon spät, deswegen lass uns schlafen und morgen finden wir bestimmt einen Weg zurück. Wir werden rechtzeitig zur Bescherung bei Mama und Papa sein, versprochen!“
Doch selbst Efi zweifelt an ihren Worten.
Die Kellertür ist fest verschlossen.
Der Spalt ist nicht groß genug.
Außerdem hat sie ihr kostbares Geschenk verloren.
Dabei hatte sie sich darauf gefreut, es ihren Eltern zu überreichen, um ihre glücklichen Gesichter zu sehen.
Aneinandergekuschelt verbringen sie die Nacht.
Am nächsten Morgen – am Weihnachtsmorgen – steht Efi früh auf, um einen Weg aus ihrer misslichen Lage zu finden.
Suchend huscht sie durch die Gänge. Zwischen Staub und Schmutz entdeckt sie einen weißen, blitzenden Kieselstein.
Der lange, schmale Stein ist glatt, ohne Unebenheiten, und glänzt wie eine Perle.
Zwar ist er nicht ganz so schön wie ihr Glitzerstein, aber er wird trotzdem ein tolles Geschenk abgeben.
Während sie ihn tief in ihrem Rucksack verstaut, fällt ihr ein Kabel auf. Es verläuft vom Boden bis zur Decke und schließlich in ein Loch.
Das ist es!
Das ist der Weg aus dem Keller!
„Wie soll ich denn da hochkommen?“, fragt Brüderchen, als Efi es ihm zeigt. „Ich bin doch noch ganz klein und werde den Aufstieg bestimmt nicht schaffen.“
„Du bist eine Maus. Und Mäuse sind gut im Klettern. Wir haben lange Krallen, die zwar nicht gut sind, um einen Stift zu halten, aber um eine Wand zu erklimmen oder im Boden zu wühlen, sind sie perfekt. Vertraue nur der Maus in dir.“
Zögerlich klettert Brüderchen einige Zentimeter nach oben. Er schaut das Kabel hinunter und jammert:
„Es ist so hoch, ich trau mich nicht weiter.“
Da zückt Efi ihre Nähnadel und pikst ihm sanft in den Popo.
Brüderchen quiekt vor Schmerz, klettert ein Stück und hält auf halbem Weg inne. Abermals fängt er an zu jammern und Efi steigt hinterher.
Behutsam sticht sie erneut mit der Nadel zu und nach und nach krabbeln sie bis zum Loch und durch die Decke in eine wohlig duftende Küche.
Brüderchen reibt sich den wunden Popo. Sein Magen knurrt.
Es riecht so himmlisch nach den herrlichsten Düften, dass selbst Efi das Wasser im Mund zusammenläuft.
Plätzchen! Lebkuchen! Spekulatius!
Sie warten auf Tellern darauf, genascht zu werden. Der Geruch von Zimt liegt in der Luft.
Doch Efi weiß: Sie müssen aufpassen.
Hier leben Menschen. Und die haben Angst vor Mäusen. Sie stellen Fallen auf und …
Oh nein.
Wo ist Brüderchen?
Hungrig tapst er zu einem Stück Käse, das festlich auf einem Tisch – extra in Mäusegröße – angerichtet ist.
Im letzten Moment hält Efi ihn zurück und schimpft: „Geh nicht weg, es ist zu gefährlich!“
Doch Brüderchen versteht den Ärger nicht. Er hat solchen Hunger. Das Mahl sieht zu verlockend aus.
Da zückt Efi ihre Nadel und drückt auf eine Metallplatte.
Krachend schnappt die Mäusefalle zu.
Das Stück Käse fliegt in hohem Bogen in Brüderchens Arme. Genüsslich fängt er an zu knabbern.
Da meckert eine Frau aus dem Wohnzimmer:
„Nein. Nein. Nein. Das darfst du nicht.“
Ein Mann beschwichtigt:
„Das ist doch nicht so schlimm. Ich hol erst mal etwas Süßes.“
Ein grauhaariger Opa betritt die Küche und fährt vor Schreck zusammen.
„Ach du meine Güte, dreckige Mäuse.“
Wütend stemmt Efi die Pfoten in die Hüften.
„Ich bin nicht schmutzig. Ich bin genauso sauber, wie eine Maus sein muss – und sogar noch etwas mehr! Nach der Toilette wasche ich vorbildlich meine Pfötchen und jeden Morgen und Abend putze ich mir ausgiebig das Fell!“
Der Mensch lässt sich davon nicht beeindrucken. Er schnappt sich einen Besen und holt weit aus.
Efi packt Brüderchen und gemeinsam türmen sie los. Sie weichen dem Hieb aus und flüchten zwischen Opas Beinen hindurch.
Polternd nimmt er die Verfolgung auf.
Ein Schrei hallt aus dem Wohnzimmer. Die Oma zieht erschrocken ihre zwei Enkelkinder hinter sich und japsend und schnaufend kommt Opa mit dem Besen angerauscht.
Er holt erneut zum Schlag aus, da fliehen die Mäuserichs unter der Wohnungstür hindurch.