Homeoffice Arbeitsplatz mit Laptop auf Holzschreibtisch und Lederstuhl – kreative Umgebung für Autoren und Content Creator

Manaby ist eine Satire über Kindererziehung,
wie sie heute betrieben wird.

Diese Geschichte treibt eine absurde Idee
konsequent bis zum Ende:
Was passiert, wenn Kinder niemals wirklich
erwachsen werden – oder Eltern sie
einfach nicht gehen lassen können?

Zum Schmunzeln – und für alle,
die sich manchmal fragen,
wann aus Kindern eigentlich Erwachsene werden sollen.

Lesedauer: ca. 10 Minuten.

Kapitel: [1] | [2] | [3] | [4]

Manaby: I



„Wir sind die führende Firma auf unserem Gebiet“,
sagt der Manager hinter dem Schreibtisch
aus Mahagoni.
Seine Augen funkeln wie die Krawattennadel
aus Brillanten, die an edler Seide hängt.
„Und das vielleicht nicht trotz,
sondern WEGEN unseres Sitter-Konzeptes!“

Er lehnt sich zufrieden in den Stuhl aus Büffelleder,
wirft den minutiös gestylten Scheitel zurück
und fixiert den Bewerber mit hungrigem Blick.
„Nicht ohne Grund sitzen Sie jetzt hier.
Also, wie viele werden Sie beschäftigen?
Einen? Zwei?
Oder haben Sie etwa noch mehr?“

Der Füllfederhalter aus Elfenbein kreist
lässig zwischen seinen Fingern.

Der Bewerber sitzt ein wenig verloren in seinem Stuhl.
Etwa dreißig.
Gepflegt.
Müde Augen.
Die Augenringe lassen sich selbst
mit Hyaluronsalbe nicht verbergen.

Seine Finger klopfen nervös auf den
leicht abgewetzten Aktenkoffer.
„Keinen.“

„Ist das Ihr Ernst?“, schnaubt der Manager.
„Wissen Sie nicht, was das bedeutet?
Haben Sie nie … “
Sein Gesicht nimmt die Farbe einer überreifen
Tomate an.

Der Finger schwebt über der Sprechanlage.
Ein Räuspern.
„Sitter in mein Büro, bitte.“

Ein müder Mann erscheint in der Tür.
„Ja, bitte?“

„Das Diagramm der Verkaufszahlen für die
kommende Besprechung ist noch nicht fertig.“

Der Sitter nickt,
seufzt kaum hörbar und schlurft zum Flipchart.
Basaltfarbene Uniform.
Türkise Epauletten.
Auf dem Rücken in feiner Schrift:
Sitter.

Auf dem Chart:
Zahlen.
Produktnamen.
Manaby Protect.

Der Sitter greift verschiedenfarbige Stifte
und malt auf dem Papier.
Balkendiagramme.
Parabeln.

„Wie Sie sehen“, säuselt der Manager,
„hat unser Konzept nur Vorteile.“
Er steht auf,
streicht Jackett und Krawatte glatt
und tritt neben den Sitter.

Die Schuhe:
elegant,
zeitlos,
frisch poliert.
Darüber nackte,
behaarte Männerbeine.
Muskulös.
Durchtrainiert.

Erst ab den Hüften bedeckt
marineblauer Stoff wieder seine Haut.
Der Bewerber versucht,
nicht zu lange hinzusehen.

Das Höschen – fast schon eine Bade- oder
Unterhose – ist fein geschnitten.
Perfekt angepasst an jede Rundung.

Zufrieden lehnt sich der Manager an das Flipchart.
Ein Daumen im Bund des Höschens.
Er beobachtet den Sitter bei der Arbeit.
Feixend wandert sein Blick immer wieder zum
Bewerber.

„Fertig“, haucht der Sitter schließlich.

Der Manager nickt.
„Das Sitter-Konzept!
Wir nehmen alles mit zur Besprechung.
„Dann haben Sie einen Eindruck von den Abläufen.“

Der Sitter faltet das Diagramm,
öffnet die Tür und folgt den beiden Männern in den Gang.