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Manaby: II
Der Sitter wühlt in einem Schrank.
Ein Bündel aus Stangen,
Stoff und Rädern kommt zum Vorschein.
Mit geübten Handgriffen klappt er alles auseinander.
Elemente greifen ineinander.
Rohre rasten ein.
Ösen verbinden sich.
Lagen aus Seide formen eine Kabine.
Fast wie eine Gondel.
„Businessmodell“,
sagt der Manager und klopft dem Bewerber auf
die Schulter.
„Sitzheizung.
Klimaautomatik.
Kaffeebecherhalter.
Armlehnen.
Seitenairbags.
Tablethalterung.
Alles, was der Geschäftsmann von Welt benötigt.“
Das Klimpern verstummt.
Der Sitter verstaut das Diagramm in einem
Heckfach – wie der Kofferraum einer Rikscha.
Breit genug für zwei dieser eleganten Gefährte
in den schmalen Gängen.
Lang genug,
damit ein ausgewachsener Mann bequem
darin Platz findet.
Erschöpft nimmt der Sitter die Führungsstange an
der Frontseite.
Der Manager steigt mit blanken,
behaarten Beinen ein.
Bevor er Platz nimmt,
wendet er sich noch einmal an den Bewerber.
„Sie laufen, mein Bester!“
Achselzuckend hält dieser Schritt neben dem Gespann.
Der Aktenkoffer schwingt in seiner Hand.
Die Wände der Gänge strotzen vor Prunk.
Moderne Kunst.
Statuen angesagter Modeschöpfer.
Mitarbeiter stehen in kleinen Grüppchen vor Bürotüren.
Eine Frau im schnittigen Blazer.
Darunter dasselbe kurze Höschen wie der Manager.
Rasierte Beine. Rosa Pumps.
Ein Mann im Karohemd,
Höschen und Schlangenlederstiefeln kratzt sich an
gekringelt gelockten Beinen,
die eher zu einem Elch passen würden.
„Ähm …“, räuspert sich der Bewerber.
„Warum tragen so viele keine Hose?“
Der Manager lässt den Bund seines Höschens klatschen.
„Das komplettiert das Sitter-Konzept!
Das ist DER Schlüssel zu nahezu grenzenloser Produktivität!“
Sie biegen um eine Ecke.
Vor ihnen eine Doppeltür.
In goldenen Lettern steht darüber:
Meeting
Der Sitter schnauft.
Die körperliche Arbeit fällt ihm sichtbar schwer.
Hustend reicht er dem Manager die Hand und hilft ihm aus der Rikscha.