Manaby IV
Ein langer Tag neigt sich dem Ende zu, als Manager, Bewerber und Sitter auf der Straße vor dem Bürokomplex stehen.
„Nun“, sagt der Manager und blitzt mit den gebleichten Zähnen. „Sie haben die Überlegenheit unseres Sitter-Konzeptes in Aktion gesehen. Wie viele werden Sie in die Firma mitbringen?“
Er gibt seinem Sitter ein Zeichen, das Auto zu holen, dann antwortet der Bewerber mit selbstbewusster Stimme: „Keinen! Ich brauche keinen Babysitter, der mir unter die Arme greift und mir meine Selbstständigkeit abnimmt! Meine Eltern haben mich nicht so erzogen. Ich verrichte meine Arbeit selbst!“
Der Manager läuft puterrot an. Adern zeichnen sich an seiner Schläfe ab und pulsieren wild, als würden sie gleich platzen. Sein Sitter hält auf der Straße mit einem weißen Lamborghini an und macht eine Verbeugung.
„Sie hätten hier sowieso nicht reingepasst“, blafft der Manager und wischt sich den Schaum vom Mund.
Ein letztes Mal blickt der Bewerber auf all den Prunk und Luxus, der nur durch die Arbeit und den Schweiß der armen, ausgenutzten Sitter zustande gekommen ist. Dann nickt er dem müden Mann mitleidig zu. Der antwortet ihm mit einem Blick, als würde er ebenfalls gern gehen, aber er hat den Absprung vor viel zu langer Zeit nicht geschafft.
Dann geht der Bewerber zur Bushaltestelle auf der anderen Straßenseite.
„Erbärmlich“, tobt der Manager.
„Bleibt der Kleine nicht zum Spielen?“, fragt der Sitter vorsichtig und deutet in Richtung des Bewerbers, der in den Bus einsteigt.
„Papa“, antwortet der Manager, verschränkt die Arme und stampft auf den Boden. „Er war frech, jetzt bring mich nach Hause!“
Müde seufzt der Sitter, öffnet die Beifahrertür und geleitet seinen Sohn in einen übergroßen, geschützten Sitz mit Aufprallschutz und Überstreckungsvorrichtung. Beengt und sich kaum rühren könnend, wird der Manager angeschnallt.
Endlich setzt sich der Sitter ans Steuer, lässt den Motor aufheulen und fährt los.
Ende
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