Genre: Märchen / Fantasy
Zielgruppe: Kinder und Familien
Status: Abgeschlossen
Veröffentlicht: 3 Kapitel
Efi das Mäusemädel ist ein Märchen über Mut, Familie und Abenteuer.
Nachdem Efi und ihr Brüderchen vom Dach gefallen sind, müssen sie den Weg zurück nach Hause finden – bevor der Weihnachtsabend beginnt.
Eine winterliche Mäusegeschichte für kleine Kinder zum einschlafen
Lesedauer: etwa 10 Minuten
Efi das Mäusemädel I: Die Mäuserichs
Unter dem Dach eines Hauses lebt eine Familie von Mäusen: die Mäuserichs. Papamaus und Mamamaus kümmern sich dort um ihre Tochter Efi und ihr kleines Brüderchen. Für gewöhnlich geht Efi mit all den anderen Eichhörnchen und Ratten in die Nagetierschule, aber weil morgen Weihnachten ist, hat sie Ferien. Sie kann es kaum erwarten, am Heiligen Abend „Maus ärgere dich nicht“ zu spielen und Lieder wie „In der Weihnachtsmausbäckerei“ zu singen.
Eifrig hilft sie Papamaus, den Tannenbaumzweig zu schmücken, und Mamamaus unterstützt sie beim Backen von Käsekeksen. Wie jedes Weihnachten freut Efi sich auf die Geschenke. Nicht auf ihre eigenen, sondern darauf, ihre Eltern zu beschenken. Dieses Jahr hat sie einen Glitzerstein gefunden, der im Licht in tausend Farben strahlt, und damit ihn niemand findet, hat sie ihn tief in ihrem Rucksack versteckt.
„Gleich gibt es Essen“, ruft Mamamaus. „Hol dein Brüderchen rein.“
Efi setzt ihren Knopfhut auf, steckt die Nähnadel in den Gürtel und zieht den Rucksack über das blaue Kleidchen. Durch einen Spalt gelangt sie von der Regenrinne auf das Dach, wo Brüderchen ausgelassen Ball spielt. Er besucht den Kindergarten und obwohl er so klein ist, hat sie alle Pfoten damit zu tun, ihn aus Schwierigkeiten herauszuhalten.
„Komm, Brüderchen. Gleich gibt es Essen“, sagt Efi.
„Ich will aber mit dir spielen“, antwortet er und tritt trotzig gegen den Ball.
„Wenn wir gegessen haben und es nicht zu dunkel ist, habe ich sicher Zeit für dich.“
Freudig schmeißt Brüderchen die kurzen Arme in die Luft, denn zu selten hat er die Gelegenheit, mit ihr zu spielen.
Ein Schatten, groß und bedrohlich, huscht über den Boden.
„Lauf!“, ruft Efi.
Da stürzt eine Krähe mit ausgefahrenen Krallen auf die Mäuserichs. Vor Schreck rennt Brüderchen davon, balanciert auf der schmalen Regenrinne, fällt vom Dach und die Krähe fliegt ihm hinterher.
Efi eilt an den Dachsims und schaut in den Garten, aber von hier oben ist nichts von ihnen zu sehen.
All ihren Mut zusammennehmend, springt sie und weil Mäuse so klein und leicht sind, trägt der Wind sie sanft herunter. Weich landet sie auf einem Blätterhaufen und während sie sich durch das Laub kämpft, überprüft Efi die Umgebung.
Der Fahrradschuppen wirkt leer.
Kein Anzeichen beim Wohnwagen.
Auch der Sandkasten sieht verlassen aus.
Da – neben dem Brunnen!
Über einem Dornenbusch fliegt die Krähe, flattert mit den Flügeln und pickt nach etwas.
Mutig wie Efi ist, zieht sie ihre Nähnadel und stellt sich dem Vogel: „Hey du, lass Brüderchen in Ruhe!“
Überrascht schaut die Krähe auf und klackert belustigt mit dem Schnabel. „Es ist kalt und ich habe Hunger. Du bist keine kluge Maus, wenn du dich zwischen mich und meine Mahlzeit stellst.“
Efi stemmt verärgert die Pfoten in die Hüfte und sagt:
„Ich bin genauso klug, wie eine Maus sein muss, und sogar noch etwas mehr! In der Schule hab ich die besten Noten und obwohl ich weiß, dass ihr Mäuse fresst, kann ich nicht zulassen, dass du mein Brüderchen verspeist!“
Die Krähe aber wendet sich ab und pickt weiter nach der Beute im Dornenbusch.
Efi kennt die Vorliebe dieser Vögel für glitzernde Dinge und so kramt sie das sicher verstaute Geschenk für ihre Eltern aus dem Rucksack.
Schwarze Augen verfolgen den Glitzerstein.
Als sie ihn in hohem Bogen wirft, fliegt das gefiederte Ungeheuer gierig hinterher.
Rasch packt Efi Brüderchen, zerrt ihn mit und bevor die Krähe sich erneut auf sie stürzen kann, kriechen die Mäuserichs unter dem Spalt der Kellertür hindurch.