Efi das Mäusemädel ist ein Märchen über Mut,
Familie und Abenteuer.
Nachdem Efi und ihr Brüderchen vom Dach gefallen sind,
müssen sie den Weg zurück nach Hause finden
– bevor der Weihnachtsabend beginnt.
Eine winterliche Mäusegeschichte
für kleine Kinder zum einschlafen
Lesedauer: etwa 10 Minuten
Kapitel: [1] | [2] | [3]
Die Mäuserichs
Unter dem Dach eines Hauses
lebt eine Familie von Mäusen:
die Mäuserichs.
Papamaus und Mamamaus
kümmern sich dort um ihre
Tochter Efi und ihr kleines Brüderchen.
Für gewöhnlich geht Efi mit all
den anderen Eichhörnchen und Ratten in die
Nagetierschule,
aber weil morgen Weihnachten ist,
hat sie Ferien.
Sie kann es kaum erwarten,
am Heiligen Abend Maus ärgere dich nicht zu
spielen und Lieder wie
In der Weihnachtsmausbäckerei zu singen.
Eifrig hilft sie Papamaus,
den Tannenbaumzweig zu schmücken,
und Mamamaus unterstützt sie beim Backen
von Käsekeksen.
Wie jedes Weihnachten freut Efi sich
auf die Geschenke.
Nicht auf ihre eigenen,
sondern darauf,
ihre Eltern zu beschenken.
Dieses Jahr hat sie einen Glitzerstein gefunden,
der im Licht in tausend Farben strahlt,
und damit ihn niemand findet,
hat sie ihn tief in ihrem Rucksack versteckt.
„Gleich gibt es Essen“, ruft Mamamaus,
„hol dein Brüderchen rein.“
Efi setzt ihren Knopfhut auf,
steckt die Nähnadel in den Gürtel und
zieht den Rucksack über das blaue Kleidchen.
Durch einen Spalt
gelangt sie von der Regenrinne auf das Dach,
wo Brüderchen ausgelassen Ball spielt.
Er besucht den Kindergarten
und obwohl er so klein ist,
hat sie alle Pfoten damit zu tun,
ihn aus Schwierigkeiten zu halten.
„Komm, Brüderchen.
Gleich gibt es Essen“,
sagt Efi.
„Ich will aber mit dir spielen“,
antwortet er und tritt trotzig gegen den Ball.
„Wenn wir gegessen haben
und es nicht zu dunkel ist,
habe ich sicher Zeit für dich.“
Freudig
schmeißt Brüderchen die kurzen Arme
in die Luft,
denn zu selten hat er die Gelegenheit,
mit ihr zu spielen.
Ein Schatten,
groß und bedrohlich,
huscht über den Boden.
„Lauf!“, ruft Efi.
Da stürzt eine Krähe mit
ausgefahrenen Krallen auf die Mäuserichs.
Vor Schreck rennt Brüderchen davon,
balanciert auf der schmalen Regenrinne,
fällt vom Dach,
und die Krähe fliegt ihm hinterher.
Efi eilt an den Dachsims und
schaut in den Garten,
aber von hier oben ist nichts von ihnen
zu sehen.
All ihren Mut zusammennehmend springt sie,
und weil Mäuse so klein und leicht sind,
trägt der Wind sie sanft herunter.
Weich landet sie auf einem Blätterhaufen
und sich durch das Laub kämpfend,
überprüft Efi die Umgebung.
Der Fahrradschuppen wirkt leer.
Kein Anzeichen beim Wohnwagen.
Auch der Sandkasten sieht verlassen aus.
Über einem Dornenbusch fliegt die Krähe,
flattert mit den Flügeln und pickt nach etwas.
Mutig wie Efi ist,
zieht sie ihre Nähnadel und stellt sich
dem Vogel:
„Hey du, lass Brüderchen in Ruhe!“
Überrascht schaut die Krähe auf
und klackert belustigt mit dem Schnabel.
„Es ist kalt und ich habe Hunger.
Du bist keine kluge Maus,
wenn du dich zwischen mich
und meine Mahlzeit stellst.“
Efi stemmt verärgert die Pfoten in die
Hüfte und sagt:
„Ich bin genauso klug wie eine Maus sein muss
und sogar noch etwas mehr!
In der Schule hab ich die besten Noten
und obwohl ich weiß,
dass ihr Krähen Mäuse fresst,
kann ich nicht zulassen,
dass du mein Brüderchen verspeist!“
Die Krähe aber wendet sich ab
und pickt weiter nach der Beute
im Dornenbusch.
Efi kennt die Vorliebe dieser Vögel
für glitzernde Dinge,
und so kramt sie das sicher verstaute Geschenk
der Eltern aus dem Rucksack.
Schwarze Augen verfolgen den Glitzerstein.
Als sie ihn in hohem Bogen wirft,
fliegt das gefiederte Ungeheuer
gierig hinterher.
Rasch packt Efi Brüderchen,
zerrt ihn mit,
und bevor die Krähe sich
erneut auf sie stürzen kann,
kriechen die Mäuserichs unter den Spalt
der Kellertür hindurch.