Nichts – mystische Gestalt steht vor leuchtendem Zentrum des Universums in einer philosophischen Fantasy Szene


Genre: Philosophische Science-Fiction / Dystopie
Zielgruppe: Jugendliche & Erwachsene
Status: Abgeschlossen
Veröffentlicht: 3 Kapitel

Im Zentrum des Universums wartet das letzte Geheimnis der Existenz.

Das mächtigste Wesen der Schöpfung begibt sich auf eine Reise, die alles infrage stellt,
was ist – und was jemals war.
Am Ende wartet eine Wahrheit, die selbst die Realität ins Wanken bringt.

Dauer: ca. 15 Minuten


Nichts I: Kunst und Kultur



Wir blicken in die Schwärze. Umgeben von einem statischen Rahmen ist es nicht die Leere, die uns berührt, sondern die rund eine Billion Kupferatome im Zentrum. Nicht größer als ein Staubkorn bilden sie fotorealistisch die Sonne von Tetra 232 ab.

Dieses Muster zu formen, hat uns in minutiöser Handarbeit ungefähr eintausend Jahre gekostet. Jedes Kupferatom wiederum besteht aus genau 190 Quarks. In der Natur variiert die Anzahl, aber für dieses Kunstobjekt haben wir ein jedes Atom nach harten Kriterien ausgewählt.

Diese Quarks sind so ausgerichtet, dass sie wie die Spiralgalaxie unseres Heimatsystems aussehen. Die 1,9 Billiarden winzigsten Partikel in Position zu bringen, hat uns eine Zeitspanne von ungefähr 100.000 Jahren gekostet.

Was uns aber wirklich bewegt, uns tief in unserem Innersten ergreift, sind die Quetsch, aus denen die Quarks bestehen. Das Bildnis eines regnerischen Tages des Mutterplaneten. Ein Quetsch ist so unendlich klein, dass es einen Teilchenbeschleuniger von der Größe eines Standardsonnensystems benötigt, um es zu erkennen.

Ein Quark besteht aus 366 Quetsch und die finale Anordnung dieser über 695 Billiarden Teilchen dauerte eine weitere Million Jahre.

Und es war jede einzelne Sekunde wert.

Was noch kleiner als ein Quetsch ist?

Eine Erkenntnis, die uns lange Zeit verborgen blieb und deren Ergründung selbst für uns enorme Mühen erforderte.

Sobald man dem Aufbau eines Quetsch nachgeht, kommt man zum folgenden Schluss:

Da ist nichts.

Im Wesen seiner Existenz besteht alles aus nichts.

Und nichts ist alles!

Materie hat, sobald man tief genug blickt, keine Struktur mehr.

Wir schlucken, als wir über die kurze Entstehungsphase dieses einmaligen Meisterwerks nachdenken. Dagegen war die Katalogisierung des Lebens eine Sisyphusarbeit und sie ist schlussendlich niemals beendet.

Von jeder Pflanze, jedem Tier und jedem mikroskopischen Lebewesen haben wir einen Ableger in der Arche in Stase verwahrt. Angetrieben von der Energie einer Dysonsphäre, der ganzen Macht eines Sterns, liegt diese in sicherer Verwahrung im Herzen des Imperiums.

Hinter einem Schutzwall aus Plasmakanonen und automatischen Kriegsschiffen kann niemand dieser Sammlung etwas anhaben.

Gelegentlich holen wir einige unserer Lieblinge aus der Stase.

Bunga Bunga zum Beispiel.

Einst eine aufstrebende Spezies, zerstörten sie sich in einer Kettenreaktion aus Wut, Hass und Ignoranz beinahe selbst. Durch einen Atomkrieg wurde ihr Heimatplanet verstrahlt und das Überleben dort fällt schwer.

Dennoch hat sich die Natur zurückgekämpft. Ebenso wie Bunga Bunga, der uns in Tierfell gekleidet und mit Keule bewaffnet begegnet ist.

Was bringt er uns mit seinen Späßen doch zum Glucksen.

Er muss uns für eine Art Gott halten, genau wie seine Vorfahren, die wir einst besuchten.

Dabei wissen wir: Alles ist nichts und nichts ist alles!

Und nichts ist schneller als das Licht!

Sich bewusst zu sein, dass man nichts ist, dieses tiefe Verständnis, lässt einen alle Regeln der Physik aushebeln und umgehen.

Wir schließen die Augen und öffnen sie wieder.

Wir sind nicht mehr vor dem Bild im Bild im Bild am Rande des Universums, sondern in einem anderen Sternensystem.

Im Zentrum des Imperiums.

Alle bekannten Galaxien schweben in einem Hologramm über einer Konsole. Blinkende Lichter symbolisieren zahllose Dysonsphären. Ein Garant für unbegrenzte und immer zur Verfügung stehende Energie.

Nur Systeme ohne nennenswertes Leben dienen diesem Zweck. Ist die Sonne von Strukturen abgeschirmt, stirbt alles den Kältetod.

Denn Licht bedeutet Leben.

Grüne Lampen repräsentieren kultivierte Gartenwelten. Planeten, auf denen wir Leben angesiedelt und vermehrt haben. Zuerst bekannte Spezies, nach und nach aber eigene Kreationen.

Rot dimmend sind Gesteinsplaneten, die terraformiert werden. Lavaströme, eingefrorene Kontinente, ein mangelndes oder gar kein Magnetfeld und somit kein ausreichender Schutz vor kosmischer Strahlung.

Um diese Welten uns und anderen Spezies dienlich zu machen, werden ihre Eigenschaften neu definiert.

Gelb sind Quarantäneplaneten. Ähnlich wie der von Bunga Bunga. Sie bergen eine gewisse Gefahr: radioaktive Strahlung, ein aufgeblähter roter Riese in der Nähe oder parasitäre Lebensformen.

Nicht für uns sind diese Planeten bedenklich, sondern für unsere Schützlinge.

Das ist für uns der Sinn des Lebens.

Dem Leben einen Sinn geben.

Die Ödnis des Weltalls ergrünen lassen.

Denn Leben bedeutet Möglichkeiten.

Reproduktion ist eine weitere Möglichkeit, dem Leben einen Sinn zu geben, aber seit unserem Zusammenschluss brauchen wir diese unnötige Zeitverschwendung nicht mehr.

Wir müssen uns nicht mehr an die Umwelt anpassen.

Wir sind perfekt.

Doch nach einer Existenz von nahezu 250 Millionen Jahren breitet sich eine gewisse Resignation aus.