Der Prozess
Bevor wir zu den ernsthafteren Themen übergehen, wird mein erster Artikel etwas leichtere Kost. Es geht darum, warum ich schreibe!
Das Kratzen des Bleistifts auf Papier oder das Tippen der Tasten auf dem Laptop – beides sind wahnsinnig befriedigende Geräusche für mich. Wie Musik. Eine eigene Symphonie, die sich mal intensiv steigert und dann wieder mit sanften Passagen unterbricht.
Auch die leeren Seiten, die sich mit Graphit und Buchstaben füllen – wie frische Triebe, die im Frühling zierlich ihre Knospen der Sonne entgegenstrecken und wachsen.
Zuallererst erfolgt ein Brainstorming. Ideen werden gesammelt, visualisiert und wieder verworfen – ein magischer Prozess, denn nichts steht fest. Es gibt keine Grenzen oder Beschränkungen. Alles ist im Wandel durch pure Kreativität.
Wenn mich das Thema dann über längere Zeit nicht loslässt, schreibe ich mit Bleistift in ein Paperblank, oft mit schönem Cover und hunderten leeren Seiten. Für mich ist diese Form des Schreibens der Inbegriff von Handarbeit: Papier, Hand und Gehirn sind miteinander verbunden und im steten Austausch.


Es ist zudem ein therapeutisches Mittel, denn das, was ich schreibe, verstopft meine Synapsen nicht mehr. Ich habe Platz für Neues und auch das ist einer der Gründe, warum ich schreibe.
Die Rohform liest sich meist sehr holprig und hölzern, wird dann auf den Laptop übertragen und direkt ein erstes Mal überarbeitet. Vieles kann sich noch ändern – die Geschichte ist nicht statisch, sie ist im Wandel.
Hier geschieht oft ein interessanter Prozess: Figuren und Handlung entwickeln ein Eigenleben. Häufig passieren unvorhergesehene Dinge, die ich so nicht eingeplant habe. Das ist der Moment, in dem die Geschichte einen Herzschlag entwickelt und zu atmen beginnt.
Durch zahlreiche Überarbeitungen findet die Geschichte schließlich zu ihrer finalen Form. Eigentlich ist sie nie fertig – man findet immer etwas zum Ändern: eine Formulierung, die einen stört, oder eine Passage, die nicht gut von den Lippen geht.
Irgendwann aber muss die Tinte trocknen, und die Geschichte wird als gut befunden.
Wie hat es angefangen?
Ich hatte früher keine besondere Affinität zu Büchern. Ich erinnere mich an einen Lesewettbewerb in der Grundschule. Ich hatte nicht geübt; dementsprechend habe ich gestottert und mich verhaspelt.
Trotzdem habe ich auf dem Gymnasium eine Zeit lang in den Pausen an einer Detektivgeschichte geschrieben – einfach so aus Langeweile. Mein Sitznachbar Martin und ich haben Fälle gelöst, das hat Spaß gemacht. Andere Dinge wurden aber schließlich interessanter.
Später habe ich dann zwei Seiten über ein Spiel namens Nox verfasst. Magier, Krieger und Beschwörer ringen um die Vorherrschaft in ihrer Welt, und im Hintergrund erstarken Nekromanten und bedrohen den Frieden.
Mit 17 habe ich aus Langeweile auf einer Jugendfahrt nach Frankreich im Bus das „Froschbuch“ begonnen. Viele der Jungs haben Kapitel beigetragen. Über den Inhalt traue ich mich nicht zu schreiben, denn pubertierende Jugendliche verfassen nicht viel von Wert.
Bis dahin war das alles Spaß und ohne System; es entstand spontan, direkt mit dem Stift in der Hand.
Um 2016 passierte dann etwas Seltsames: Auf der Busfahrt von der Arbeit nach Hause habe ich überlegt, welches Element in alter Superheldenmanier wohl am stärksten beziehungsweise am schwächsten ist. Ich kam zu dem Entschluss: Luft ist beinahe übermächtig. Sie ist überall, ich kann sie entziehen und Orkane beschwören. Wasser dagegen war das herausforderndste Element – schwer und unhandlich, da man es immer mit sich transportieren muss. Aber richtig angewendet, hat es unglaubliches Potenzial.
Die Gedanken kreisten mehr und mehr. Charaktere bildeten sich, Fraktionen entstanden. Meine Begeisterung für griechische Sagen floss ein, und schließlich entstand eine moderne Odyssee in einem dystopischen Setting. Magie und Wissenschaft sind dort schwer zu unterscheiden, ganz nach Arthur C. Clarke: „Jede hinreichend fortschrittliche Technologie ist von Magie nicht zu unterscheiden.“
Inzwischen waren zwei Jahre vergangen. Es war eine spannende Geschichte geworden und so viel Stoff, dass ich mich entscheiden musste: Irgendetwas damit machen und anfangen zu schreiben oder dieses Thema ad acta legen.
Zuerst sollte daraus ein Computerspiel werden, aber da die Hürden zum Einreichen ähnlich hoch wie bei einem Filmdrehbuch sind und ich in beidem keine Erfahrung hatte, war der Entschluss gefasst: Es sollte ein Buch werden. Denn schreiben kann ich – zumindest ein bisschen.
Laptop und Autorenprogramm gekauft, ein wenig in Storytelling eingelesen, und nun wurde ich neben meinem Beruf als Physiotherapeut zum Schriftsteller – auch wenn es lange Zeit brauchte, bis ich mich wirklich als solchen bezeichnet habe. Es ist typisch deutsch: Erst wenn ich etwas Großes geschrieben habe, darf ich mich so nennen. Heute weiß ich es besser.
Das Autorenleben ist übrigens oft entbehrungsreich und unspektakulär, denn alles passiert im Kopf – angeregt durch die Worte, die meine Hand verlassen.
2019 ist dann das erste Nebenprojekt entstanden. Efi das Mäusemädel habe ich für meine Nichte und meinen Neffen geschrieben und in Kleinstauflage von drei Büchern selbst gedruckt.
Ein Jahr später habe ich für die beiden zudem Das Dornenbärchen als Schreibübung verfasst – ein wesentlich aufwendigeres Projekt, auf das ich aber nach wie vor sehr stolz bin.
Ab 2022 habe ich drei Jahre Schreibpause eingelegt. In der realen Welt ist viel passiert: Covid hatte alles auf den Kopf gestellt und bestimmte einen großen Teil meiner Gedanken. Zudem waren zwei Todesfälle in der Familie zu beklagen, und auch meine Katze ist verstorben. Es war wahrscheinlich mein absoluter Tiefpunkt mit zahlreichen Niederlagen – aber auch mit einem Lichtblick: Ich habe meine heutige Frau kennengelernt.
Ende 2025 habe ich endlich wieder eine Geschichte als Adventsgeschenk für meine Chefin geschrieben: Manaby! Ich hatte keine feste Vorstellung, worum es sich handeln sollte. Das war auch mal neu für mich. Zuvor war der Prozess immer lang und zäh gewesen, denn erst wurden über lange Zeit Ideen gesammelt und dann ein Text geschrieben.
2026 ist außerdem Nichts entstanden – ein philosophischer Sci-Fi-Text, in dem ich mich einmal richtig ausgetobt habe.
Das Tolle am Schreiben ist für mich das Überarbeiten. Ein gesprochenes Wort kann nie wieder eingefangen oder zurückgenommen werden. Ein Text allerdings kann wieder und wieder geschliffen werden – optimiert und perfektioniert. Passt mir das Ende nicht, schreibe ich es um. Ich kann die Geschichte so lange formen, jedes Wort umdrehen, bis es mir passt.
Und das mache ich. Das heißt auch, dass es bittersüße Enden gibt. Selten ein Happy End, sondern eher ein realistisches mit Konsequenzen. Denn Konsequenzen sind mir wichtig. Es muss eine Fallhöhe geben, sonst verliert man das Vertrauen in die Geschichte und den Autor. Und Vertrauen ist das höchste Gut.
Ich muss etwas machen!
Warum also diese Seite? Ich muss irgendetwas mit meinen Werken machen.
Nichts ist schlimmer, als zu wissen, dass das eigene Tun sinnlos ist – dass meine erschaffenen Universen vergessen sind, wenn ich einmal sterbe. Und als Stoiker bin ich mir meiner kurzen Lebensspanne durchaus bewusst.
Diese Seite ist eine zusätzliche Motivation, mehr Energie ins Schreiben zu stecken und noch weitere Geschichten zu verwirklichen, die in meinem Kopf schlummern.
Lenny der Lachs schwimmt gegen den Strom, Der magische Schuh, Sigrid die Drachentöterin – da ist noch so viel Potenzial.
Zudem möchte ich mit dieser Seite unterhalten, denn genau das sollen gute Geschichten: Man vergisst die Zeit, taucht in etwas Neues ein und wird davon inspiriert.
Der Blog ist als Medium gedacht: Thesen, Ideen und Gedanken – mein Beitrag an die Menschheit sozusagen, auch wenn sie mitunter sehr kontrovers sein können.
Und warum ist so viel Content umsonst? Weil für mich der Büchermarkt enorm überladen ist. Vieles geht im Bekannten unter, es sei denn, es steckt ein enormer Werbeetat dahinter – und da sehe ich mich nicht. Ebenso ist die wirtschaftliche Lage mehr als angespannt. 20–30 Euro für ein Buch auszugeben, fällt vielen nicht mehr leicht.
Deswegen setze ich auf Vertrauen und Spenden. Lieber lesen es viele und geben etwas, anstatt minimale Verkäufe mit höheren Tantiemen zu haben. Das Projekt soll stetig wachsen, und ich hoffe, in Zukunft die Kosten für die Webseite wieder hereinzubekommen und auch genug Mittel für Lektorat und Illustration zu erlangen.
Ich hoffe, ihr erkennt meinen mutigen Schritt an. Für mich war das Internet ein Ort der Gegensätze: Potenzial für Wunder und tolle Erlebnisse, aber auch ein Hort der ungezügelten Wut. Shitstorm und Internetwunder liegen nicht weit auseinander, deswegen habe ich den Schritt in die Öffentlichkeit immer gescheut.
Aber seit mein Sohn im September auf die Welt gekommen ist, denke ich anders. Ich möchte ihm zeigen, dass man für seine Träume arbeiten kann.
Wir lesen uns wieder.
Dein Ted Dybaer.
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